Festlieder zum 25jährigen Jubiläumsfeste der
Wasserleitungs-Genossenschaft Eimsen
am 2. und 3. August 1903
Getextet von Friedrich Bödallst
Druck von F. Stegen, Alfeld


Lied I


Gleich nach den großen Tagen,
Als deutsche Einigkeit
Den Erzfeind hat geschlagen
Und ihn besiegt im Streit,
Zog auch im Eimser Tale
Größ´re Bewegung ein,
Zwar fanden sich nicht alle,
Auch einige sagten: Nein!

Das Wasser wollt´ man haben
Im Hause gleich zur Hand;
Um sich daran zu laben
Ganz ohne Müh´ und Zwang.
Da wird dann agitieret,
Man zieht von Haus zu Haus,
Bis alle sind bekehret
Und keiner schließt sich aus.

Es wurde nun Herr Kappe
Mit dieser Sach´ betraut;
Er sorgt, daß nicht von Pappe,
Die Leitung ward gebaut.
Als nun das Werk vollendet
Und alles wohl gelang,
Die Leitung Segen spendet,
Da tönte Jubelsang.

Als nun nach längern Jahren
Man war am besten dran,
Da konnte man erfahren,
Daß dies war leerer Wahn.
Man mußt´ vom „Eulenbrinke“
Hin an des Berges Rand,
Um hier auf´s neu zu gründen
Die Quelle von Bestand.

Wir suchten nun und fanden
Ein Wasser klar und rein,
Was damit einverstanden,
Wenn es gefangen ein.
Um diesen Dienst zu lohnen
Bau´n wir ein schmuckes Heim,
Darin es möchte tronen
Und dienen uns allein.

Nicht nur voll sanfter Milde
Hier spendet´s kühlen Trank,
Zum Wettenser Gefilde
Eilt es voll Tatendrang.
Gar gerne möcht´ es dienen
Auch dort in jedem Haus;
Doch traurig zieh´n von hinnen,
Nur  e i n e r  nützt es aus.

Die andern aber schwören
Der alten Pumpe Treu,
Doch heute wir schon hören
Wie mancher es bereu´.
Wenn wir im Schatten sitzen
Und drehen auf den Krahn,
Dann muß der Nachbar schwitzen
Beim Pumpen nebenan.

Geeinigt durch das Wasser
Sind wir zu dieser Frist;
Ein einig Volk von Brüdern
Jetzt uns´re Losung ist.
Ein eigennützig´ Streben
Das soll uns ferne sein:
Die Genossenschaft soll leben,
Stets blühen und gedeih´n!

Melodie: Zu Mantua in Banden (Andreas Hofer Lied)


Lied II

Zu alter, längst entschwund´ner Zeit,
Da holte manche junge Maid
Das Wasser aus der nahen Quell´,
Es folgten ihr der Bursche schnell.
Es schäkerte geraume Zeit
Mit ihrem Schatz die holde Maid.
: O schöne Zeit, o sel´ge Zeit,
Wie liegst du fern, wie liegst du weit. :

Wem es zur Quelle war zu weit,
Zum Wasserholen fehlt´ die Zeit,
Der holte es ganz nah´ beim Haus
Mit einer Pumpe unten ´raus.
So war es einst, doch heute man
Bei Niemandem mehr „pumpen“ kann.
: O schöne Zeit, …


Wer einst zur Quell´ und Pumpen ging,
Den Eimer an die Kette hing,
Ließ ihn herab ins tiefe Loch,
Dreht´ dann die Kurbel und zieht hoch.
Dann hierbei „süße“ Melodien
An unserm Ohr vorüberzieh´n.
: O schöne Zeit, …

In Küchen, diesem Zauberort,
Wenn fleiß´ge Frauen walten dort,
Als früher keine Leitung war
Das Wasser wurde öfter rar,
Bestellt man sich dann einen Grog,
Dann war er steif und kräftig noch.
: O schöne Zeit, …

Doch diese Wasserpoesie
Die war verknüpft mit vieler Müh´;
Die Poesie in unserm Ort
Ging mit der Wasserleitung fort:
Wo einst der Wassereimer stand,
Ein Messingkrahn blitzt an der Wand.
: O schöne Zeit, …

Der Pferdejunge ist vergnügt,
Daß er im Stall die Leitung kriegt;
Wenn früher er dem Wasserstein
Geschüttet viele Eimer ein,
Und immer wieder war er leer;
Dann seufzete er tränenschwer:
: O Wasserstein, o Wasserstein,
Du bist ein wahrer Sorgenstein! :

Die dralle Anna tränkt´ das Vieh,
Doch war bös´, vergaß es sie.
Die alte „Liese“ brummt vor Durst,
Der Anna ist das Alles „Wurst“.
Als nun die Wasserleitung kam,
hat „Liese“ ihren Messingkran;
: Da brummt sie voll Glückseligkeit:
Vorbei ist meine Leidenszeit! :

Jetzt 25 Jahr die Frist,
Seitdem hier Wasserleitung ist.
Uns allen dies sehr gut gefällt,
Wir gebens nicht um vieles Geld.
Drum dieses Glas dem klaren Naß;
Das ist des Abstinenzler´s Spaß.
: Es bleibe rein, versiege nie,
Der Leitung unsre Sympathie! :

Melodie: Es war ein Sonntag hell und klar,
Carl Götze in „Liederbuch Postverband“, 1898.

Lied III

Wasser schöne Gottesgabe,
Wasser hell und silberklar,
Von der Wiege bis zum Grabe,
Dienest du uns immerdar.
Schon im ersten Darseinslaufe,
Als uns schirmt der Eltern Hut,
: Hieß es bei der heil´gen Taufe,
„Wasser große Dinge tut.“ :

Ist ein Feuer ausgebrochen,
Nimmt man Spritzen schnell zur Hand,
Eh´ noch wird ein Wort gesprochen,
Oeffnet schnell man den Hydrant.
Wenn sich Wasserstrahlen senken,
Zischend in die grimme Glut,
: Muß man unwillkürlich denken:
„Wasser große Dinge tut.“ :

Wenn´s im Sommer drückend schwüle,
Wenn die Sonne brennet heiß,
Wenn man sucht des Schattens Kühle,
Von der Stirne rinnt der Schweiß.
Will dann böser Durst uns quälen,
Tut ein kühler Trunk uns gut,
: Und es schmunzeln durst´ge Seelen:
„Wasser große Dinge tut.“ :

Ganz nervös sind uns´re Frauen,
Zu der Zeit, wenn Wäsche ist;
Dann geht’s Waschen, Wringen, Blauen,
Das kaum Zeit zum Essen ist.
Doch wenn dann im Winde fächelnd,
Blendend weiße Wäsche ruht,
: Flüstern sie beseligt lächelnd:
„Wasser große Dinge tut.“ :

Einigkeit sehr fleißig üben
Uns´re lieben deutschen Frau´n,
Weil sie´n Täss´chen Mokka lieben,
Sie sich dann stets Kaffee brau´n.
Doch wenn dann in hitz´ger Stunde,
Mehr die Zunge spricht, wie gut,
: Seufzt der Mann mit blassem Munde:
„Wasser große Dinge tut.“ :

Wasser, dieser edle Tropfen,
Führt uns auch zusammen heut´,
Doch gewürzt mit Malz und Hopfen,
man es uns zum Trunke beut.
Und, wenn dann in uns´rer Runde,
Uns dies Maß gibt neuen Mut,
: Tönt´s begeisternd uns vom Munde:
„Wasser große Dinge tut.“ :

Textvorlage: Deutschland, Deutschland über alles;
von Hoffmann von Fallersleben, 1841
Melodie: Gott erhalte Franz den Kaiser; von Josef Haydn